Presseartikel HAZ
Foto: Behrens

Was James McDowell mit dem Figurentheater vorhat
Es soll fast alles anders werden im Figu-rentheaterhaus Theatrio. Fast, weil das Haus am Großen Kolonnenweg das gleiche bleibt und es auch weiter Figurentheater zeigen wird. Aber wenn man dem neuen Geschäftsführer James McDowell zuhört, soll mit der jetzt startenden Saison etwas Neues beginnen. Etwas Großes. McDowell, der erfahrene Theatermana-ger, möchte Hannover zu einem Zentrum für Figurentheater machen.

Uwe Janssen, HAZ 08/2016

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Das, so ist er überzeugt, geht nicht allein mit Kindertheater – mit dem das Haus in den vergangenen knapp zehn Jahren nicht schlecht gefahren ist. 80 Prozent Auslastung können sich sehen lassen. Allerdings rechnet McDowell auch vor: „21 Kindervorstellungen im Monat, das sind 21 Stunden Auslastung, meist am Vormittag.“ Da sei viel Luft nach oben. Deshalb wird es ab sofort Puppentheater für Er-wachsene geben. Mit ambitionierten Stücken, teils Gastspielen, teils Eigenproduktionen der Ensembles der Stadt wie Seiler oder Marmelock. „Adams Äpfel“, eine Kino-Adaption über die Begegnung eines Dorfpfarrers mit einem Skinhead, macht am 2. September den Anfang.

Es führt mit Detlef Heinichen und seinem Theatrium Dresden gleich einen der wichtigsten Köpfe der Szene nach Hannover. „Es gibt nichts, was mit Figuren-theater nicht machbar ist“, sagt Heinichen. Anfang Dezember ist er noch einmal mit dem Mozart-Stück „Amadeus“ zu Gast. Dazwischen gibt es Stücke, die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg oder Kindesmissbrauch zum Thema haben. Stücke für Kinder wird es natürlich weiterhin geben, von „Jim Knopf“ bis zu „Peter und der Wolf“. Neu ist eine Kooperation mit Stadtteilbibliotheken und Schulen. Mit dem Flüchtlingsheim Vahrenheide arbeitet Puppenspieler Kristian Kruse seit Juni zusammen. Was bei dem Projekt mit Flüchtlingskindern herausgekommen ist, soll auf dem Theatrio-Sommerfest am 27. August zu sehen sein.

Das Management liegt seit Anfang des Jahres in der Hand eines Pensionärs mit viel Zeit, viel Erfahrung und viel Idealismus. „Ich habe noch keinen Pfennig gesehen“, sagt der aus New York stammende Wahlhannoveraner McDowell, „aber es ist nun mal mein blöder Ehrgeiz, irgendwas in Gang zu bringen.“ Unterstützung ist nötig, auch ganz konkret: „Wir brauchen Sponsoren.“ Netzwerke knüpfen kann McDowell. Der ausgebildete Balletttänzer hat 14 Jahre an der Seite von Regisseur Dieter Wedel Festspieltheater in Worms und Bad Hersfeld organisiert. Mit diesen Kenntnissen hat er sich ein Ziel gesetzt, nämlich „dieses Haus wichtig zu machen. Bedeutend. Unentbehrlich.“

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